Der Monte Kali und ein Schlagbaum – museales entlang des Werra Radwegs

Auf knapp 300 Kilometern folgt der Werra Radweg den Fluten des gleichnamigen Flusses. Von den tiefen Wäldern Thüringens bis zur Mündung in die Weser schlängelt sich die Werra durch Mitteldeutschland und formt eine wildromantische Landschaft. Links und rechts des Weges bieten sich für Radfahrer immer wieder Gelegenheiten, spannende Ausstellungen zu besuchen.

Vierzig Jahre lang mutierte die Werra unvermutet zum Grenzfluss. Zwischen Asbach-Sickenberg in Thüringen und dem hessischen Bad Sooden-Allendorf liegt die Talsenke des Schifflersgrund. Die ehemaligen Grenzbefestigungen zwischen der Bundesrepublik und der DDR wandelte man Anfang der 90er Jahre zu einem informativen Museum um. Wachtürme und Stacheldrahtzaun ermöglichen Radlern eine beklemmende Zeitreise zu erfahren. Über 26 Menschenleben forderte die Grenzbefestigung im Schifflersgrund und so errichtete der Künstler Sebastian Seiffert die Skulpturengruppe „Verbrannte Träume“. Sie gedenkt auch Heinz-Josef Große, der bei der sogenannten „Republikflucht“ getötet wurde. Der Frontlader, mit dem er versuchte über die Grenze zu kommen, steht heute als Mahnmal im Museum.

Unmittelbar neben dem Werra Radweg liegt das „Völkerkundliche Museum Witzenhausen“. Die beeindruckende Ausstellung zeigt Werkzeuge und Gegenstände zur Nahrungsgewinnung. Aus Afrika und Südamerika, aber auch von den polynesischen Inseln stammen die raffinierten Exponate. Reisende erhalten einen faszinierenden Einblick in die tropische und subtropische Landwirtschaft. Gleich neben dem Museum befindet sich ein riesiges Gewächshaus für exotische Nutzpflanzen. Fachkundige Wissenschaftler führen interessierte Besucher gerne durch die immergrüne Flora.

Taucht vor den Augen der Radreisenden ein über 200 Meter hohes, hellgrau schimmerndes Bergplateau auf, nähert sich der Werra Radweg der Kleinstadt Heringen. Jene galt als Mekka des Kaliabbaus und so trägt die Steinsalz-Abraumhalde den passenden Namen „Monte Kali“. Im „Werra-Kalibergbaumuseum“ sind alte Maschinen, Förderbänder und Fotografien aus der Zeit des florierenden Handwerks ausgestellt. Doch nicht nur die technischen Aspekte der Kaliförderung werden beleuchtet, auch die Generationen von Arbeitern finden im Museum Gehör. Zeitzeugen berichten anschaulich und ergreifend über die Arbeit untertage.

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